„Das bin ich wirklich: böse, besoffen, aber gescheit!(Josef Roth)

Samstag, 16. Juli 2016


Herzlich willkommen auf meinem Blog

"Von Narren und Narreteien" habe ich meinen Blog genannt, weil er vielleicht der Naivität eines Narren am nächsten kommt, der Glaube, mit ein paar ausformulierten Gedanken, mit ein paar Worten, etwas Gutes bewirken zu können. Doch wenn der Glaube uns erst abhanden kommt, ist es verloren...



Meine Leidenschaft sind Kaffeehäuser und gut sortierte, inhabergeführte Buchhandlungen wobei die Betonung auf dem Begriff „inhabergeführt“ liegt, denn ich meine keinesfalls jene Erscheinungsform ihrer Spezies, die ich üblicherweise als Buch-Supermärkte bezeichne. Solche also, bei denen man sich zunächst durch 50 Regalmeter Stapelware kämpfen muss, um an den lesenswerten Kern des Sortiments zu gelangen. Solche, bei denen ich mit meiner Frage nach einem Exemplar von „Zettel's Traum“ nicht Gefahr laufe, in die Schreibwarenabteilung verwiesen zu werde. Dies ist natürlich als Scherz zu verstehen, denn nichts liegt mir ferner, als dem Personal dieser Großunternehmen – sei es nun das mit dem unaussprechlichen bayrischen Namen oder das mit dem Namen einer griechischen Muse – die Kompetenz abzusprechen.


Der Liedermacher Stefan Krawczyk hat einmal gesagt: „Ich käme schneller von einem zum anderen Ende der Stadt, gäbe es weniger Buchhandlungen.“ Dies reklamiere ich auch für mich. Ich komme an keiner vorüber. Und wenn es dann noch eine Symbiose zwischen den beiden anfangs genannten Einrichtungen darstellt, wird sich der, der möglicherweise auf mich wartet, in Geduld üben müssen.

Ich habe in den letzten Jahren an vielen Orten gelebt. In Hamburg, München, Berlin, Frankfurt. Es ist keine epochale Erkenntnis, dass jede Stadt ihre sehr eigene Charakteristik aufweist. Diese zu ergründen, habe ich mir jeweils zur Aufgabe gemacht. Und von wo aus kann man dies besser als aus der Perspektive eines Logenplatzes am Rande des Schauspiels? Vom Kaffeehaustisch. Wenn es ihn auch nicht mehr gibt, den passionierten Beobachter und Großstadtflaneur, wie ihn Edgar Allan Poe in seiner Geschichte „Der Mann in der Menge“ einst charakterisierte. Durch ihn erlangte der Typ des Flaneurs übrigens Eingang in die Weltliteratur.
Nicht zu vergessen: Josef Roth, der den Flaneur des 20. Jahrhunderts als einen Menschen beschrieb, der vorwiegend versuchte, in der Masse der Straße unterzugehen, um so das soziale Geschehen zu beobachten. Last but not least: der Archetyp dieser ausgestorbenen Gattung, Franz Hessel, der seine Beobachtungen und Eindrücke in seinem Buch „Ein Flaneur in Berlin“ wiedergab. Hier nun Platz genommen, eröffnet sich einem bald der unerschöpfliche Fundus menschlichen Seins.

Unabdingbar übrigens, dass man als Beobachter einen festen Standort einnimmt, sich also nicht hier wage ich Josef Roth zu widersprechen unters Volk mischt. Man lässt es sozusagen an sich vorüberziehen. Nur so erlangt man unvergessliche Eindrücke von Szenen und Episoden. Und eben diese Impressionen sind es, die für mich den Ausschlag gaben, diese Seite zu betreiben. Keinesfalls ist es der Wunsch nach Öffentlichkeit oder Transparenz der eigenen Existenz. Mein Ansinnen ist es, Denkanstöße zu geben. Zu inspirieren, zu teilen, zu motivieren, die Vielfalt der Dinge, die uns umgeben, wahrzunehmen, aufzugreifen und zu verarbeiten.

Wir leben in einer Welt, in der die virtuelle Realität immer mehr Raum einnimmt. Das Surreale. Die künstliche Welt, die man uns schafft, die wir uns schaffen, weil ... ja, warum überhaupt? Aus Bequemlichkeit? Aus Angst, uns Träumen zu ergeben? Aus Angst vor uns selbst und der Erkenntnis, bisher etwas versäumt zu haben? Lieber schauen wir uns Bilder einer vorgekauten Vorzeigefamilie unter Zuhilfenahme der Prothese häuslicher Kommunikationsschwäche dem Fernsehgerät an, als unseren Blick schweifen zu lassen. Die Mauern um uns herum einzureißen, die unser Bewusstsein trüben, als vor die Tür zu treten, um die verkümmerten Rudimente unserer Wahrnehmung zu bemühen.

Ich verstehe mich wahrhaftig nicht als Prediger für die vermeintlich gute Sache. Ich will niemanden belehren und erst recht nicht bekehren. Ich vertrete lediglich die Ansicht, dass man, sofern man mit offenen Augen durchs Leben geht, mehr sieht als die, die nur sehen, was wir sehen sollen. Ich spreche von gezielter Manipulation. Von Betrug. Von Lähmung der Sinne.

Unsere Zeit ist begrenzt. Das ist keine Erkenntnis, das ist eine Tatsache! 


Ich verstehe mich als Christ, jedoch als kein besonders bibeltreuer Mensch, möchte aber mit einer Zeile aus dem 90. Psalm schließen: 



„Wir verbringen unsere Jahre wie ein Geschwätz ...“