„Das bin ich wirklich: böse, besoffen, aber gescheit!(Josef Roth)

Fotos, et Cetera

Wo man sich trifft...

Wenn man von Kaffeehauskultur spricht, meint man gemeinhin etwas, das nur noch selten anzutreffen ist im Getriebe unserer Zeit. Man denkt zwangsläufig an eine Tradition, die untrennbar mit Wien verbunden ist. Hier wiederum an Namen wie Peter Altenberg, Stefan Zweig, Géza von Cziffra, um nur einigen zu nennen, die den Begriff des Kaffeehausliteraten für sich reklamierten. Namen, die das Cafe zur Institution erhoben. 

In heutiger Zeit, in der man sich eher einen Coffee-to-go ordert, der für mich den Inbegriff rastloser Betriebsamkeit darstellt, scheint es bestenfalls als Anachronismus bzw. als Denkmal seiner selbst zu existieren, als dass es als Brennpunkt öffentlichen Lebens gilt.

Hin und wieder aber hat man das Glück, ein Rudiment des Beschriebenen zu finden.

So geschehen, als ich mir vor einer Weile Frankfurt am Main zu erschließen begann. Unweit des Zoos, in unmittelbarer Nähe des Fritz Reymond Theaters gelegen, befindet sich das „Kaffeehaus am Zoo“. Der Alfred Brehm Platz, bestimmt durch die klassizistische Fassade des eben genannten Theaters, bietet die ideale Kulisse für dieses kleine Café, das einen wunderbaren Akzent setzt in der gastronomischen Welt der Cafe-Ketten, Steh-Cafés und Schnellrestaurants.

KAFFEEHAUS am Zoo.  Frankfurt am Main

"Der Kaffee muss so heiß sein wie die Küsse eines Mädchens am ersten Tag,
süß wie die Nächte in ihren Armen und schwarz
wie die Flüche der Mutter, wenn sie es erfährt."


Hier trinkt man nicht nur einen schnellen Kaffee, hier verweilt man, denn das Ambiente, die handverlesenen, auf einander abgestimmten Accessoires, die eine Atmosphäre vermitteln, in der der Faktor „Zeit“ an Bedeutung verliert, lassen gar nichts anderes zu. Es riecht nach frischgeröstenem Kaffee. Die Kaffeemaschine, einst das Geschehen sowohl optisch als auch akustisch dominierend, zischt munter vor sich hin. Alles passt zueinander und rundet sich ab in einem Speisesortiment, über das man sich Gedanken gemacht hat, bevor man es auf die Karte setzte.

Hat man Platz genommen, mein bevorzugter Platz befindet sich übrigens in einer Ecke des vorderen Bereichs, von dem aus sich die perfekte Perspektive auf das täglich wechselnde Schauspiel des Seins bietet, lädt es ein zum Genießen, zur Zeitungslektüre oder zum Schwätzchen über die Welt und ihre Imponderabilien, denen man hier so wunderbar entflohen zu sein scheint.

Wie dem auch sei, für mich stellt es einen Logenplatz im Auditorium am Rande des Pulsschlags der Zeit.










Die sogenannten TRINKHALLEN, wie sie im Frankfurter Raum noch sehr häufig zu finden sind, gehen zurück auf eine Einrichtung die erstmals Anfang des 19. Jahrhunderts entstand. Sie stellen vordergründig eine Verkaufsstelle für Dinge des sofortigen Bedarfs da, so die etwas statische Bezeichnung einschlägiger Medien.

In Stadtvierteln wie diesem, gelten sie aber auch als sozialer Brennpunkt.  Der jeweilige Betreiber so einer Trinkhalle ist meinst im Kietz bekannt, weiß um die persönlichen Belange seiner Kundschaft, die wiederum meist im sozialen Rand-Milieu, ohne diesen Begriff als Wertung zu meinen, angesiedelt ist, So ist dieser nicht selten  ein Ratgeber in Alltagsfragen  und ein Medium für den täglichen Klatsch unter den Anliegern, Passanten und auch dem ein oder anderen Gestrandeten.



Das Cafe -Y- in Frankfurt, (untere) Berger Str. 18

Vielleicht eines dieser Cafes, die Hermann van Veen vor Augen hatte als er sein Text zu -Adieu Café- schrieb.  Es ist keines der Kaffeehäuser, die durch mondän,  erlesene Eleganz überzeugen.

                                      

Keines der Cafes, die  gemäß dem Trend der Gegenwart, im Einheit-Interieur,  durch minimalen Service, zu überhöhten Preisen die abenteuerlichsten Kaffee-Kreationen zubereiten und den Gast mit Fragen wie "soll ich etwas Platz für Milch lassen", überfordern.  Ein wenig abgewetzt kommt es daher. Ein wenig Patina. Doch nicht im Form dessen, was man heute gemeinhin als -shabby chic im Industrie Style- bezeichnet. Nein, es sind 30 Jahre Geschichte, dir hier zutage treten und manchmal scheint es, dass selbst die Gäste, die sich hier regelmäßig einfinden, zur ersten Stunde zählten.
Mögen niemanden einfallen, hier Pinsel und Hammer anzusetzen, um zu renovieren.