„Das bin ich wirklich: böse, besoffen, aber gescheit!(Josef Roth)

Gedichte

.   14.Juni 2016

A.i.P.

Was wusste die junge Ärztin vom Leben
als du starbst und sie, um Worte verlegen,

von erfülltem Leben sprach?

Was von Erlösung,
die doch kaum Leid ertragen haben dürfte
in ihrer Unerfahrenheit?

Was wusste sie von Würde,
als sie dich
sterbend
in den Stationsflur schoben
den übrigen Patienten im Urin und Kotgeruch
geschwängerten zimmer

dein stöhnen in Angsträumen
zu ersparen.

Was war dein Leben noch Wert in diesen Tagen?
Den Pflegesatz der Klinik,
den es,
so lang wie möglich
zu erhalten galt.

Du warst

Umsatz.
Ertrag.
Bilanz.

.   31.Juli 2016


Nein...
Ich bin keineswegs allein,
Wenn ich allein bin.
Manchmal,
In meinem Zimmer,
Habe ich mich bei mir zu Gast.
Ich unterhalte mich mit mir.
Ich schweige,
Streite,
Philosophiere mit mir.
Ich erkläre mich mir
Ich stelle mir fragen
Und manchmal...
...
ja manchmal habe ich sogar eine Antwort für mich.

.   15.Juni 2016


Je suis humain

Wer wird noch die letzten Meldungen in der Presse lesen?
Meldungen von Epediemen weltumfassender Dimension?
Von Kriegen um Wasser
Kriege zu Zeiten
Da Bodenschätzen keinerlei Bedeutung mehr beigemessen wird
Weil es um alles geht
Wenn es um die Reste geht
Die der explodierenden Masse Mensch
Nicht im Ansatz zur Ernährung gereicht.
Um Wasser wird gefochten.
Gegen Wasser wird gefochten
Wer spricht noch von Flüchtlingen
Wenn alles auf der Flucht ist was Mensch ist.
Wer von Angst
Wenn es nur noch Angst ist die uns treibt
Angst vor der großen Auslese der Natur
Angst, Nicht dabei zu sein
Wenn sie von neuem beginnt,
Die Zivilisation.



.   27. August 2013

Zum Tod von Wolfgang Herndorf

"... den eigenen Tod, den stirbt man nur, doch
mit dem Tod der andren muss man leben." (Mascha Kaleko)

Der Autor stirbt. Er dokumentiert seinen 
unausweichlichen Weg seit seiner Erkrankung
für 
die Öffentlichkeit.
Der öffentlich lebte, 
stirbt öffentlich.

Es mahnt der Sterbende die Lebenden zu leben. 
Er geht. 
Hoffen wir auf ein Wunder ?  
Auf die erlösende Nachricht, 
die doch nicht kommen wird? 

Schaut hin. 
Wendet nicht euren Blick ab. 
Seht, wovor die Gesellschaft gern die Augen verschließt. 
Seht, wovor das Leben kapituliert. 
Vor der Unendlichkeit. 

Aber du wirst leben. 
In deinen Geschichten. 
In den Herzen derer, die dir nahe stehen.